Schlutup

Stadtteilnummer: 
8
Einwohner: 
5 798

Schlutup ist ein altes Fischerdorf am Breitling des unteren Laufs der Trave und mit etwa 6000 Einwohnern der kleinste Stadtteil der Hansestadt Lübeck in Schleswig-Holstein.

Der Ortsteil liegt östlich der Trave und ist vom Zentrum Lübecks durch den Stadtteil St. Gertrud mit seinen ausgedehnten Stadtforsten des Lauerholzes getrennt. Schlutup ist über die B 104 sowohl mit der A 20 in Mecklenburg-Vorpommern als auch durch den Herrentunnel und die A226 mit der A 1 verbunden. Schlutup fand seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1225 unter dem Namen Vretup.

Lage

In Schlutup liegt das gleichnamige Landschaftsschutzgebiet, das mit gehölzreichen Brachflächen, Mager- und Trockenrasen sowie Feuchtbiotopen, wie dem Mühlenteich, der Speckmoorniederung, dem Schwarzmühlenteich, dem ehemaligen Müllermoor und dem unbebauten Uferabschnitt der Untertrave, eine Gesamtfläche von etwa 170 Hektar umfasst.

Wirtschaft und Infrastruktur

Als Fischereihafen ist Schlutup Standort fischverarbeitender Betriebe, der Hauptumschlag der Lübecker Hafengesellschaft im Schlutuper Hafen besteht heute jedoch in Papier und Zellulose. Schlutup besitzt einen alten, unter Denkmalschutz stehenden Bahnhof. In den sechziger Jahren wurde der Personenverkehr dort eingestellt und in der Folgezeit nur noch Güter dort umgeschlagen. Inzwischen ist der Bahnhof als Bahnanlage geschlossen, nur noch die Gleise werden als Rangier- und Sammelplatz für die mit Papierrollen beladenen Waggons benutzt, die am Schlutuper Hafen vom Schiff auf die Bahn verladen und bis nach Italien weiterversendet werden. Für den Personenverkehr ist Schlutup mit zwei Buslinien der Stadtwerke Lübeck mit der Hansestadt verbunden, die tagsüber im 20-Minuten-Takt verkehren. Und es gibt mit Dahmetal und GBB (Grevesmühlener Busbetriebe) Verbindung gen Osten über Selmsdorf und Schönberg bis nach Grevesmühlen.

Geschichte

In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich an der heutigen Mecklenburger Straße hinter dem Behnturm das Travelager Schlutup, ein Lager für ausländische Zwangsarbeiter. Es hatte im Mai 1945 1.100 Insassen.[2] Ab 1933 bis zum Ende des Krieges befand sich auch eine Fabrik für Spezialmunition der Deutsche Waffen und Munitionsfabriken in der Mecklenburger Straße. Sie umfasste eine Fläche von 400 Hektar Land. Hier wurden unter anderem die Minenmunition und die Luft-Luft-Rakete R4M entwickelt. Als Arbeitskräfte waren Zwangsarbeiter aller Nationen beschäftigt.

Bis zur Deutschen Einheit 1990 lag Schlutup direkt an der innerdeutschen Grenze. Der Grenzübergang Schlutup war der nördlichste Grenzübergang zur DDR für den Transitverkehr nach Skandinavien über Rostock und Rügen. Auch sämtlicher Verkehr in der unmittelbaren Nachwendezeit durchquerte das Dorf, so die Gift- und Sondermülltransporte zur wenige Kilometer entfernten DDR-Sondermülldeponie Schönberg, die Sondermüll aus ganz Europa anzog.

In der Grenz-Dokumentationsstätte Lübeck-Schlutup, einem ehemaligen Zollhaus, wird an die Geschichte der Teilung Deutschlands und insbesondere an die Situation in Lübeck und dessen Stadtteil Schlutup erinnert.

Nach der Wende wurde insbesondere der Straßenabschnitt östlich des Schlutuper Markts zum Engpass, bis eine Umgehungsstraße auf dem ehemaligen Grenzstreifen Entlastung brachte. Heute ist die Ortsdurchfahrt verkehrsberuhigt. Die Umgehungsstraße und die A 20 nehmen den Verkehr auf. Im Bereich des ehemaligen Grenzübergangs befinden sich heute die Gewerbegebiete der mecklenburgischen Nachbargemeinde Selmsdorf, die vom Fördergefälle profitieren.

 
Quellle: Wikipedia